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Die sprechenden Felsen der Aborigines

Exposé für einen Dokumentarfilm von Gernot Stadler

Dem Steinrestaurator Jürgen Steiner aus Klagenfurt ist es erstmals gelungen, 40.000 Jahre Felsmalereien der Aborgines in Nordostaustralien zu restaurieren und damit vor der weiteren Zerstörung durch Umwelteinflüsse zu retten.
 
Die Kultur der Ureinwohner Australiens ist nach Ansicht vieler Forscher die älteste bis heute existierende Kultur der Menschheit. Geschätzte 80.000 Jahre lebten die Aborigines isoliert vom Rest der Welt im Einkang mit der Natur, ausgestattet mit Wissen und Fähigkeiten, die der moderne Menschen längst verloren hat. 
 
Aborigine-Stämme entwickelten keine eigene Schrift. Ihre Geschichte, ihre Traditionen, Sitten und Gebräuche hielten sie stattdessen in Gesängen und Tänzen fest und setzen diese magischen Verse und Gesangszyklen schließlich auch bildhaft um. Sandstein, Flusssedimente und Holzkohle lieferten ihnen die vier Basisfarben rot, gelb, weiß und schwarz, die sie mit Pflanzenstängeln und Holzstäben kunstvoll an mächtige Fels- und Höhlenwände ihrer heiligen Stätten auftrugen.
 
Als bildhafter Ausdruck ihres spirituellen und rituellen Lebens sind die Felsmalereien ein einzigartiges kulturelles Erbe. Die Bedeutung der symbolhaften Felsenmotive offenbart sich nur den Eingeweihten, wodurch sie als identitätsstiftende Kultstätten für die von Entwurzelung bedrohten Ureinwohner Australiens und ihre Kultur von immenser Wichtigkeit sind.
 
Im November 2008 hat Jürgen Steiner auf Einladung erstmals den Dinden-Nationalpark in Queensland besucht, um Felsmalereien der Aborigines zu untersuchen. Die Malereien, die bis zu 40.000 Jahre alt sind, sind durch Algenbefall und Abplatzungen der obersten Gesteinsschichten teilweise bereits stark in Mitleidenschaft gezogen. Einen Monat lang hat der Steinrestaurator verschiedene Testreihen durchgeführt, um möglichst schonend zunächst das Trägermaterial, als den felsigen Untergrund, zu fixieren. Die große Herausforderung besteht darin, die Malereien selbst nicht zu berühren, da die Schichtstärke der Malereien nicht verändert werden darf.
 
Verschiedenen Teams von Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern haben in den vergangenen Jahren ebenfalls immer wieder versucht, die Felsmalereien, die einen einzigartigen Schatz der Menschheitsgeschichte darstellen, zu retten – allerdings erfolglos. Erst die chemischen Tests von Jürgen Steiner waren erfolgreich.
 
Im Oktober 2009 begann Steiner mit seinen Sanierungsarbeiten. Die Aborigines, die ihre zum Teil tief im Urwald verborgenen Felsmalereien wie ein Geheimnis hüten, fassten Vertrauen zu dem Österreicher und führten ihn zu den bedeutendsten Plätzen ihrer alten Kultur. Einer der Stammesältesten der Bulwai-Aborigines, der Musiker Willie Brim, ist einer der prominentesten Unterstützer des Restaurierungsprojektes. Mit Jürgen Steiner verbindet ihn mittlerweile eine von gegenseitigem Respekt geprägte Freundschaft. Brims ursprungliche Skepsis war verflogen, als er das Ergebnis von Steiners ersten Arbeiten sah: dem erfahrenen Steinrestaurator war es gelungen, den Algenbefall bzw. Erosionsschäden zu beheben und das Trägermaterial, den Felsen, wieder zu festigen. Die Darstellung, einer gebärenden Frau beispielsweise, eines sog. Ganandoran, ist heute wieder klar und deutlich auf dem Felsen zu erkennen.
 
Jürgen Steiners Anliegen ist es, seine Fertigkeiten den Ureinwohnern  beizubringen, damit sie künftig auch selbst in der Lage sind, ihr Kulturgut zu erhalten. Denn es gibt tausende Malereien auf freistehenden Felsen und in Höhlen weit verstreut über den gesamten Kontinent.
 
Im Herbst 2012 möchte Jürgen Steiner seine Arbeit in Atherton Tableland fortsetzen und erste Helfer ausbilden, die in Zukunft seine Arbeit weiterführen. Erstmals wird er dann auch eine neue Lasertechnik einsetzen, die vor kurzem sehr erfolgreich bei antiken Wandmalereien in ägyptischen Gräbern angewandt wurde. Das Interesse der verschiedenen Stämme ist groß, denn ohne ihr kulturelles Erbe werden sie auch als eigenständige Kultur kaum überleben können.
 
Darüber hinaus ist auch an eine intensivere Zusammenarbeit mit Wissenschaftern (Archäologen) der James-Cook-Universität in Cairns gedacht, die zunächst abwarten wollten, ob die Restaurierungsversuche von Jürgen Steiner überhaupt erfolgreich sein würden.
 
Der Film begleitet den Steinrestaurator aus Österreich auf seiner dritten Reise zu den Aborigines in Nordost-Australien, wo er an der Restaurierung weiterer Felsmalereien arbeiten wird. Darüber hinaus zeigt der Film den Alltag der australischen Ureinwohner zwischen Tradition und Moderne (über Jürgen Steiner besteht Zugang zu sehr zurückgezogen lebenden Stämmen) und ihr nach wie vor von großer Spiritualität geprägtes Leben.
 
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Deutung der Felsmalereien durch Wissenschafter der Universität in Cairns, aber auch durch die Aborigines selbst. Der Film entführt den Zuseher darüber hinaus in eine der schönsten Gegenden Australiens mit weitläufigen, unberührten Urwäldern, Berglandschaften und Küstenregionen mit üppiger Fauna als auch einem enormen Reichtum an seltenen Tierarten.


Format: HD, 16:9, Stereo
Länge: 52 Min.
Drehzeit: September 2012
Fertigstellung: 2013